Dokumente zu Südafrika

In den dortigen Mayibuye-Archiven werden zudem zahlreiche Interviews mit ehemaligen politischen Gefangenen, persönliche Aufzeichnungen und über 100.000 Fotos aus der Zeit der Apartheid aufbewahrt.

In einer Plastiktüte liegen diese blutbefleckten Unterlagen, die  nach dem Massaker in der Ntarama-Kirche gefunden wurden. Dokumente, Fotos und andere Quellen sammelt in Ruanda vor allem das Nationale Genozidarchiv, das einen Teil seiner Bestände auch online zugänglich gemacht hat. Auch der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda hat zahlreiche Unterlagen ins Internet eingestellt. In den Anklageschriften und Urteilen werden viele Verbrechen genauestens dokumentiert.

Credit: Dave Proffer / CC BY

Versöhnung per Gesetz

„Wir dienen mit Stolz“, steht über dem Tor zum früheren Hochsicherheitsgefängnis auf Robben Island. Die Dokumente und viele Gegenstände aus Südafrikas berühmtester Haftanstalt befinden sich heute in den Mayibuye-Archiven an der University of Western Cape. Online zugänglich ist dagegen der siebenbändige Abschlussbericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Ende 1995 von Präsident Nelson Mandela eingesetzt wurde. Ihre Arbeit regelte ein eigenes Gesetz.

Es ist das Schlüsseldokument zur Aufarbeitung der Vergangenheit in Südafrika – das Gesetz Nr. 34 zur Förderung der nationalen Einheit und Versöhnung. Schon der Name macht deutlich, dass es nicht darum ging, mit den Verantwortlichen für die schweren Menschenrechtsverletzungen abzurechnen. Das Gesetz, so heißt in dessen Präambel, werde verabschiedet „in Erwägung, dass die Verfassung der Republik Südafrika von 1993 eine historische Brücke schlägt zwischen der Vergangenheit einer tief gespaltenen Gesellschaft, die durch Zwietracht, Konflikte, unsägliches Leid und Ungerechtigkeit gekennzeichnet war, und einer Zukunft, die auf der Anerkennung der Menschenrechte, der Demokratie und dem friedlichen Zusammenleben aller Südafrikaner, unabhängig von Hautfarbe, Rasse, Klasse, Glauben oder Geschlecht, beruht.“

Wie diese Brücke geschlagen werden sollte, hat damals die ganze Welt gespannt verfolgt. Denn das südafrikanische Versöhnungsgesetz versuchte gleichsam eine Art Quadratur des Kreises: EInerseits sollten die Verbrechen der Vergangenheit aufgeklärt werden und die Opfer Genugtuung erfahren. Andererseits sollten dadurch keine neue Wunden geschlagen oder alte vertieft werden. Kern des 39 Seiten langen Gesetz war die Bildung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission. Deren Aufgaben lauteten: Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen, Amnestierung geständiger Täter sowie Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer. Zu jedem dieser drei Aufgaben sah das Gesetz die Bildung eines eigenen Unterausschusses vor.

 

durch eigene Ermittlungen und öffentliche Anhörungen,

, einen durch mehrere Novellierungen verfeinerten Mechanismus vor, in dessen Mittelpunkt stand.

Das Urteil vom 20. Juni 2001 findet sich hier.

Links

Website des Genozidarchivs von Ruanda (englisch)

Website des Internationalen Strafgerichtshofes für Ruanda (englisch)

Statut des Internationalen Strafgerichtshofes für Ruanda (englisch)

Video über die Archive des Internationalen Strafgerichtshofes für Ruanda (englisch) 

 

Nach der Diktatur. Instrumente der Aufarbeitung autoritärer Systeme im internationalen Vergleich

Ein Projekt am Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Universität Würzburg

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