Elf Amtssprachen hat das Land am Horn von Afrika – so vielfältig ist seine Bevölkerung zusammengesetzt. Doch erst seit 1994 haben alle Bürger dieselben Rechte. Obwohl die weiße Vorherrschaft vor mehr als einem Vierteljahrhundert beendet wurde und Südafrika zu den führenden Schwellenländern zählt, bestimmen Armut und Ungleichheit immer noch den Alltag. Bei 20.000 Morden pro Jahr rücken die Verbrechen des Apartheid-Regimes zunehmend in den Hintergrund.
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Südafrika – offiziell: Republik Südafrika – ist das wirtschaftlich entwickelteste Land in Afrika. Als einziger Staat des Kontinents ist es Mitglied der G20. Auf mehr als 1,2 Millionen Quadratkilometern leben hier knapp 60 Millionen Menschen. Mit annähernd 80 Prozent stellen Schwarze dabei den größten Anteil, während Weiße und Farbige nur jeweils knapp neun Prozent ausmachen. Bis Anfang der 1990er Jahre herrschte in Südafrika eine Politik strikter Rassentrennung mit massiven Privilegien für Weiße.
Die ersten weißen Kolonisatoren auf der Südspitze Afrikas waren Holländer. 1652 richteten sie am Kap der Guten Hoffnung eine Versorgungsstation ein, die bald expandierte. Sklaven aus Asien und Madagaskar mussten für die Kapholländer – die Buren (Bauern) – arbeiten. Später zogen sie sich ins Hinterland zurück, nachdem Großbritannien das Kap zur Kolonie gemacht und die Sklaverei verboten hatte. Doch auch diese Burenrepubliken wurden von den Briten erobert. Alle vier Kolonien schlossen sich 1910 zur Südafrikanischen Union zusammen, die 1926 faktisch unabhängig wurde. 1961 wurde aus der Union die Republik Südafrika.
Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts sorgten zahlreiche Bestimmungen dafür, dass die weißen Bewohner in Südafrika erhebliche Vorrechte genossen. So durften Schwarze, Farbige und Asiaten nicht wählen. Zudem konnten sie nur in bestimmten Gebieten Land erwerben. Ab 1948 wurde die Politik der Rassentrennung dann systematisch ausgebaut. Die Behörden teilten die Bewohner dazu in "Eingeborene", "Weiße", "Farbige" und "Asiaten" ein, „Mischehen“ waren verboten. Über dreieinhalb Millionen Schwarze wurden in sogenannte Homelands zwangsumgesiedelt. Durch die „Apartheid“ (Getrenntheit) sicherten sich die Nachfahren der europäischen Einwanderer ihre Vormachtstellung, ohne auf die billigen Arbeitskräfte verzichten zu müssen.
Während Südafrikas Wirtschaft in den 1960er Jahren boomte, verschärften sich die innen- und außenpolitischen Konflikte. Vor allem jüngere Schwarze entwickelten ein wachsendes Selbstbewusstsein. Nach gewalttätigen Protesten wurden die wichtigsten Oppositionsorganisationen 1960 verboten und ihre Führer verhaftet. Unterstützt von der Sowjetunion, Kuba und der DDR führten diese jedoch den Kampf mit Waffengewalt aus dem Untergrund weiter. Internationale Sanktionen gegen das Apartheid-Regime lösten schließlich in den 1980er Jahren eine wachsende Kapitalflucht aus.
Vor diesem Hintergrund entschloss sich der 1989 neu gewählte Präsident Frederik Willem de Klerk zu einem Kurswechsel. Befreiungsorganisationen wie der African National Congress (ANC) wurden wieder zugelassen, sein Führer Nelson Mandela wurde nach 27 Jahren aus der Haft entlassen. 1991 wurde eine Reihe von Apartheidgesetzen für ungültig erklärt und ein Nationales Friedensabkommen unterzeichnet. Vertreter von Regierung und Opposition verhandelten über eine vorläufige Verfassung und freie Wahlen.
Paradoxerweise wurden in dieser Zeit des Übergangs weit mehr Südafrikaner Opfer politischer Gewalt als in den vorangegangenen vier Jahrzehnten. Verantwortlich dafür waren vor allem Konflikte zwischen dem ANC und der schwarzen, antikommunistischen Inkatha Freedom Party (IFP), denen mindestens 14.000 Menschen zum Opfer fielen. Dass Südafrika damals nicht im Chaos versank, war vor allem Mandela zu verdanken, der 1994 zum Präsidenten gewählt wurde und immer wieder zur Versöhnung aufrief.
1996 verabschiedete das nunmehr frei gewählte Parlament eine neue Verfassung mit gleichen Rechten für alle Bürger. Im selben Jahr nahm eine Wahrheits- und Versöhnungskommission ihre Arbeit auf. Unter Leitung des schwarzen Erzbischofs Desmond Tutu versuchte sie, die Gewalttaten der Vergangenheit aufzuklären – und gleichzeitig den Tätern zu vergeben. Südafrika wurde damit weltweit zu einem Modell friedlicher Aufarbeitung. Doch anders als erhofft, führte sie nicht zu einem Ende der Gewalt. Stammesdenken, Fremdenfeindlichkeit und Korruption haben vielmehr in den letzten Jahren wiederholt zu blutigen Unruhen geführt (Stand: Juli 2021).
Fläche: | 1.221.037 km² |
Einwohner: | 59.62 Mio. (2020, geschätzt) |
Bevölkerungswachstum: | 1,3 % jährlich (2019, geschätzt) |
Bevölkerungsdichte: | 48,83 Einwohner pro km² |
Regierungssitz: | Pretoria |
Amtssprache: | Afrikaans, Englisch und neun afrikanische Sprachen |
Politisches System: | Föderale Republik |
Staatsoberhaupt: | Präsident Cyril Ramaphosa (seit 2018) |
Regierungschef: | Präsident Cyril Ramaphosa (seit 2018) |
Freiheitsstatus: | 74/100 |
BIP pro Kopf: | 12.962 USD (kaufkraftbereinigt, 2019) |
Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Südafrika
Informationen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu Südafrika
Länderinformationen des Portals Kooperation international über Südafrika
Informationen des Recherchenetzwerkes Afrobarometer zu Südafrika (englisch)