Taiwan - Das Land

Wenn es um Asien geht, ist selten vom Inselstaat Taiwan die Rede. Dabei macht das kleine Land vor Chinas Küste dem kommunistischen Riesenreich vor, wie man erfolgreich aus einer Diktatur eine Demokratie macht. In Asien gilt Taiwan inzwischen als Musterland in Sachen Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Auch bei der Aufarbeitung seiner Vergangenheit hat das Land Beachtliches vorzuweisen.

Von der Diktatur zur Demokratie

Taiwan – offiziell: Republik China – ist ein dicht bevölkerter Inselstaat vor der Küste der Volksrepublik China. Gut 23 Millionen Menschen leben hier auf einer Fläche, die mit 36 000 Quadratkilometern kleiner ist als die Schweiz. Die meisten Einwohner sind Anhänger des Buddhismus und des Daoismus.

Die ehemalige japanische Kolonie wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Republik China zugesprochen. Das Regime, das diese auf der Insel errichtete, wurde bald als autoritär und korrupt empfunden. Im Februar 1947 kam es deshalb zu einem Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Zwischen 18 000 und 28 000 Personen, überwiegend Angehörige der taiwanischen Oberschicht, kamen bei dem sogenannten 228-Massaker ums Leben. Eine Schlüsselrolle spielte dabei die neu gegründete Geheimpolizei, das sogenannte Garnisonskommando von Taiwan.

1948 stattete die Nationalversammlung den chinesischen Präsidenten Chiang Kai-Shek wegen des Vormarsches der Kommunisten im Bürgerkrieg mit diktatorischen Vollmachten aus. Am 20. Mai 1949 wurde in China das Kriegsrecht verhängt. Nach dem Sieg Mao Tse-Tungs verlegte die chinesische Regierung im Dezember ihren Sitz nach Taiwan. Etwa zwei Millionen Beamte, Soldaten und Angehörige der chinesischen Elite flüchteten auf die dünn besiedelte Insel, was die Spannungen zwischen den Einwohnern und der Regierung noch verstärkte.

Bis zu seinem Tod 1975 regierte Chiang Kai-Shek auf Taiwan mit Hilfe des Kriegsrechtes. Da auf dem Festland keine freien Wahlen möglich waren, blieb die 1947 gewählte Nationalversammlung über 40 Jahre lang im Amt - das sogenannte Lange Parlament. De facto war Taiwan ein Einparteienstaat unter der Herrschaft von Chiang Kai-Sheks Partei, der Kuomintang. Aus Furcht vor einer kommunistischen Unterwanderung kam es zu mehr als 10 000 Inhaftierungen und 876 nachgewiesenen Todesurteilen. Die Regierung betrieb - wie Mao auf dem Festland - auch ein System von Umerziehungslagern. Zudem wurden die einheimischen Sprachen unterdrückt. Gleichzeitig kam es jedoch zu einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung und einem raschen Anwachsen der Bevölkerung.

1971 erlitt Chiang Kai-Sheks Regime eine empfindliche außenpolitische Niederlage, als an dessen Stelle die Volksrepublik China Mitglied der UNO wurde. Die meisten Staaten brachen daraufhin ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab. Der Alleinvertretungsanspruch der Republik China erwies sich immer mehr als unrealistisch. Nicht zuletzt deshalb entwickelte sich in den 1980er Jahren auf der Insel eine wachsende Demokratiebewegung, deren Anhänger zunächst rigide verfolgt wurden. 1987 wurde jedoch das Kriegsrecht aufgehoben und die Gründung von Parteien zugelassen. Ein Jahr später durften auch neue Zeitungen gegründet werden. 1992 wurden schließlich das Parlament und 1996 der Präsident frei gewählt.

Im Jahr 2000 verlor die ehemalige Staatspartei die Präsidentschaftswahlen, so dass das höchste Staatsamt erstmals an die Opposition und ihre Demokratische Fortschrittspartei fiel. Diese setzt sich aktiv für eine Aufarbeitung des Weißen Terrors ein, wie die Verfolgungen inzwischen genannt werden. Doch erst 2017 konnte sie ein Gesetz zur Förderung der Aufarbeitung durchsetzen. Taiwan gilt heute als gut funktionierende Demokratie, die im Ranking der Organisation Freedom House noch vor den USA rangiert (Stand: Mai 2020).

Republik China

Fläche:36.179 km²
Einwohner:23,6 Mio (2018)
Bevölkerungswachstum:0,20 % jährlich (2016)
Bevölkerungsdichte:651Einwohner pro km²
Regierungssitz:Taipeh
Amtssprache:Hochchinesisch, Taiwanisch, Hakka, Formosa-Sprachen
Politisches System:Semipräsidentielle Demokratie
Staatsoberhaupt:Staatspräsidentin  Tsai Ing-wen (seit 2016)
Regierungschef:

Premierminister Su Tseng-chang (2006/07 und seit 2019)

Freiheitsstatus:93/100
BIP pro Kopf:53.074USD (kaufkraftbereinigt, 2018)
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