Chile - Das Land

Kein anderes Land in Südamerika ist wirtschaftlich und sozial so stabil wie die Republik Chile. Auch die Demokratie blickt auf eine fast 200-jährige Tradition zurück. Doch in der Vergangenheit durchlebte das Land viele politische Krisen. Der Sturz des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende 1973 und die Errichtung einer Militärdiktatur unter Augusto Pinochet belasten das Land bis heute.

Pinochets langer Schatten

Chile - offiziell: Republik Chile - ist ein lang gezogener Staat in Südamerika, der sich von der Mitte des Teilkontinents bis zur äußersten Südspitze erstreckt. 17,5 Millionen Menschen leben hier auf 756 000 Quadratkilometern. Rund 70 Prozent von ihnen sind römisch-katholisch.

Die Geschichte der ehemaligen spanischen Kolonie war nach Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1818 von Kriegen, Umstürzen und häufigen Regierungswechseln geprägt. Konservative und Liberale, Rechte und Linke standen sich dabei oft unversöhnlich gegenüber. 1891 kam es sogar zu einem Bürgerkrieg, dem etwa 6000 Menschen zum Opfer fielen. Erst in den letzten drei Jahrzehnten hat sich das Land zu einer stabilen Demokratie entwickelt, die auch wirtschaftlich erfolgreich ist. 2018 wurde Chile von der Liste der Entwicklungsländer gestrichen.

In den zahlreichen innen- und außenpolitischen Auseinandersetzungen spielte das Militär oftmals eine zentrale Rolle. So putschte 1924 eine Gruppe von Offizieren gegen den gewählten Präsidenten Arturo Alessandri, der daraufhin zurücktrat und ins Exil ging. Die Militärs holten ihn zwar nach einem halben Jahr zurück, doch nur wenige Monate später trat er erneut zurück, weil wieder ein Staatsstreich drohte. Starker Mann in dieser Zeit war der Direktor der Kavallerie-Schule in Santiago de Chile, Carlos Ibáñez del Campo, der verschiedene Ministerposten bekleidete und sich 1927 zum Präsidenten Chiles machte. Sein diktatorisches Regime währte vier Jahre, bis er durch einen Generalstreik zum Rücktritt gezwungen wurde. Nach einem erneuten, diesmal sozialistischen Militärputsch wurde schließlich der aus dem Exil zurückgekehrte Alessandri 1932 erneut zum Präsidenten gewählt.

In den 1930-er Jahren entstand in Chile eine einflussreiche nationalsozialistische Bewegung, die 1938 sogar einen – blutig niedergeschlagenen – Putschversuch unternahm. Zugleich erstarkten die linken Kräfte, die 1936 die Frente Popular gründeten und einige Jahre auch die Regierung stellten. Bis 1952 kamen zwar alle Präsidenten aus der linksliberalen Radikalen Partei. Doch das politische System erwies sich als überaus instabil. 1952 wurde Carlos Ibáñez schließlich noch einmal Präsident, diesmal aber durch freie Wahlen. Zu seinen Gegenkandidaten zählte damals ein Mann, der später weltberühmt werden sollte - der Arzt und Politiker der Sozialistischen Partei Salvador Allende.

Erst nach zwei weiteren vergeblichen Anläufen gewann Allende nach dem Zusammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und weiteren Linksparteien zur Unidad Popular 1970 die Präsidentenwahl - mit 36,3 Prozent der gültigen Stimmen. Sein linkes Regierungsbündnis verstaatlichte Kupferminen, Kohlebergbau, Banken, die Textilindustrie sowie ausländische Großunternehmen. Auch 20 000 Quadratkilometer Land wurden enteignet und verteilt. Der Staat legte zudem die Mieten und die Preise für Grundnahrungsmittel fest. Erhöhte Staatsausgaben stimulierten zwar das Wirtschaftswachstum, doch auch die Inflation erreichte bald Rekordwerte. Chile geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise, die von Streiks, Demonstrationen, Landbesetzungen und Terroranschlägen begleitet war.

Trotz Einbindung der Militärs in die Regierung und einem Stimmenzuwachs für die Unidad Popular bei den Parlamentswahlen 1973 putschten die Streitkräfte im September gegen Präsident Allende. Weil er sich weigerte zurückzutreten, bombardierten sie sogar den Präsidentenpalast. Als sie das Gebäude schließlich stürmten, erschoss sich Allende, während seine Anhänger verbreiteten, er sei ermordet worden. In der ganzen Welt wurde er zum Märtyrer linker Bewegungen. Die Macht übernahm nun der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Augusto Pinochet, der sich 1974 auch zum Staatspräsidenten ernennen ließ. Die Militärjunta ließ Tausende Anhänger Allendes verhaften, die sie unter anderem in zwei großen Sportstadien in der Hauptstadt internierte. An verschiedenen Orten richtete sie zudem Geheimgefängnisse ein, in denen Oppositionelle oft schwer gefoltert wurden. Auch eine sektenähnliche Siedlung von Auslandsdeutschen, die Colonia Dignidad, diente damals als Folterzentrum. Mindestens 40.000 Menschen wurden verhaftet, mehr als 3000 von ihnen kamen ums Leben. Weitere bis zu 250.000 Chilenen gingen ins Exil, davon rund 2000 in die DDR.

Erst Ende 1989 kam es zu freien Wahlen, bei denen der Christdemokrat Patricio Aylwin zum Präsidenten gewählt wurde. Er setzte eine Wahrheits- und Versöhnungskommission ein, die die politischen Morde unter Pinochet aufklären sollte. 1993 wurden erstmals mehrere Offiziere angeklagt. Pinochet, der noch bis 1998 Heereschef blieb, wurde – wie die meisten Verantwortlichen – niemals gerichtlich verurteilt.

Die Aufarbeitung der 16-jährigen Militärdiktatur wurde vor allem unter den sozialistischen Präsidenten Ricardo Lagos (2000-2006) und Michelle Bachelet (2006-2010 und 2014-2018) vorangetrieben. Lagos setzte eine zweite Kommission ein, die nun auch die Verhaftungen und Folterungen untersuchte. Bachelet, die selber unter Pinochet im Gefängnis gesessen hatte, initiierte den Bau eines Museums der Erinnerung und Menschenrechte, das sie 2010 eröffnete.

Bis heute liegt die Pinochet-Diktatur wie ein Schatten über der chilenischen Gesellschaft. Im Urteil über diese Zeit ist das Land gespalten. Erst im November 2019 einigten sich konservative Regierung und linke Opposition auf eine Volksabstimmung, ob die während der Militärdiktatur erlassene Verfassung durch eine neue ersetzt werden soll. Im Oktober 2020 stimmen dabei 78 Prozent dafür (Stand: November 2020). 

Republik Chile

Fläche:756.102 km²
Einwohner:17,6 Mio (2017)
Bevölkerungswachstum:0,80 % jährlich (2016)
Bevölkerungsdichte:23 Einwohner pro km²
Regierungssitz:Santiago de Chile
Amtssprache:Spanisch
Politisches System:Präsidentielle Demokratie
Staatsoberhaupt:Präsident Sebastián Piñera (2010-2014 und seit 2018)
Regierungschef:Präsident Sebastián Piñera (2010-2014 und seit 2018)
Freiheitsstatus:90/100
BIP pro Kopf:25.700 USD (kaufkraftbereinigt, 2018)
image/svg+xml
Argentinien
Aruba
Belize
Bermuda
Bolivien
Brasilien
Chile
CostaRica
Curacao
Dominica
DominikanischeRepublik
Ecuador
El Salvador
Grenada
Guatemala
Guyana
Haiti
Honduras
Jamaika
Kanada
Kolumbien
Kuba
Mexiko
Nicaragua
Panama
Paraguay
Peru
PuertoRico
Suriname
TrinidadundTobago
TurksundCaicosinseln
USA
Uruguay
Venezuela