Peru - Das Land

Auf dem Papier herrscht in Peru seit 1980 eine Demokratie. Doch die politische Wirklichkeit wird von Armut, Korruption und Machtkämpfen geprägt. In bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen wurden in den 1980er und 1990er Jahren fast 70.000 Menschen getötet. Leidtragende war vor allem die indigene Landbevölkerung.

Zwischen Terror und Demokratie

Peru – offiziell: Republik Peru – ist ein Staat im Westen Südamerikas. Gut 32 Millionen Menschen leben hier auf knapp 1,3 Millionen Quadratkilometern, davon rund ein Viertel in der Hauptstadt Lima. Mit 25 bis 30 Prozent ist der Anteil indigener Bevölkerungsgruppen vergleichsweise hoch, nur sechs Prozent bezeichnen sich als Weiße. Gleichwohl bekennen sich mehr als drei Viertel der Einwohner zum Katholizismus. Mehrfach wurde das Land von schweren politischen Auseinandersetzungen erschüttert.

Auf dem Gebiet des heutigen Perus siedelten sich vergleichsweise spät die ersten Menschen an: etwa um 14.000 vor Christus. Doch Steinbauten gab es schon vor über 5000 Jahren. An anderen Stellen wurden Reste über 3000 Jahre alter Pyramiden gefunden. Bekannt ist Peru allerdings vor allem für die architektonischen Hinterlassenschaften des Inka-Reiches, das vom 13. bis zum 16. Jahrhundert große Teile der Westküste Südamerikas beherrschte. Die weltberühmte Bergstadt Machu Picchu und weitere Ausgrabungsstätten zeugen bis heute davon.

Die Spanier, die ab 1532 in das Gebiet einfielen, besiegten jedoch die Inkas und gründeten das Vizekönigreich Peru. Es existierte knapp 300 Jahre, bis es im Zuge der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege unabhängig wurde. Doch auch danach blieb das Land politisch zerrissen und instabil. Zudem verwickelte es sich in Kriege mit seinen Nachbarn Chile (1879-1884) und Ecuador (1941). Aufgrund des Wahlsystems (Frauen und Analphabeten durften nicht wählen) repräsentierte die politische Elite jahrzehntelang nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die meist konservativen Präsidenten regierten autoritär und waren teilweise durch Putsch an die Macht gekommen.

In den 1980er Jahren brachte die Guerilla-Organisation „Leuchtender Pfad“ (Sendero Luminoso) – eine maoistische Abspaltung der Kommunistischen Partei  erhebliche Teile Perus unter ihre Kontrolle. Ihr Anführer, der Hochschulprofessor Abimael Guzmán, strebte eine Bauernrevolution nach dem Vorbild Chinas an. Präsident Alberto Fujimori, der 1990 überraschend die Wahl gewonnen hatte, schaffte es jedoch, die Gebiete mit massiven Militäreinsätzen zurückzuerobern. 1992 wurde Guzmán verhaftet und Mitte der 1990er Jahre war die Partisanenbewegung weitgehend zerschlagen. Auch die Kämpfer der „Revolutionären Bewegung Túpac Amaru“ gaben nach einem Amnestieangebot zum großen Teil ihre Waffen ab.

Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen dieser Zeit kosteten schätzungsweise 70.000 Menschen das Leben, überwiegend Angehörige der indigenen Landbevölkerung. Eine Wahrheitskommission kam 2003 zu dem Ergebnis, dass für knapp 50 Prozent der Toten linke Guerilla-Organisationen verantwortlich waren. 30 Prozent der Morde gingen auf das Konto des Militärs, 24 Prozent waren durch andere Akteure verübt worden. Zum Vorgehen Fujimoris gehörte es auch, knapp 300.000 Frauen auf dem Lande zwangsweise sterilisieren zu lassen.

Fujimoros Politik war in Peru höchst umstritten. 1992 hatte er mit Unterstützung des Militärs gegen seine eigene Regierung geputscht. Wegen seiner erfolgreichen Wirtschaftspolitik und der Erfolge im Kampf gegen die Guerilla wurde er 1995 trotzdem wiedergewählt. Entgegen der peruanischen Verfassung trat er fünf Jahre später zum dritten Mal an und gewann erneut die Mehrheit. Nach schwerwiegenden Korruptionsvorwürfen trat er jedoch kurz darauf zurück und setzte sich ins Ausland ab. Später wurde er zu fast 40 Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen des Einsatzes sogenannter Todesschwadrone.

Korruptionsvorwürfe führen auch heute noch regelmäßig zu politischen Krisen. Im November 2020 wurde Präsident Martín Vizcarra deshalb seines Amtes enthoben. Gegen den derzeitigen linkspopulistischen Präsidenten Pedro Castillo wurden bereits zwei erfolglose Amtsenthebungsverfahren angestrengt. Zuletzt kam es im April 2022 aufgrund der steigenden Inflation zu Unruhen, bei denen mindestens fünf Menschen starben. Der ehemalige Anführer des „Leuchtenden Pfades“ Guzmán starb 2021 im Gefängnis (Stand: April 2022).

Republik Peru

Fläche:1.285.216 km²
Einwohner:32,8 Mio (2020, geschätzt)
Bevölkerungswachstum:1,4 % jährlich (2020, geschätzt)
Bevölkerungsdichte:25 Einwohner pro km²
Regierungssitz:Lima
Amtssprache:Spanisch, z.T. Quechua und Aymara
Politisches System:Präsidentielle Demokratie (de jure: semipräsidentiell)
Staatsoberhaupt:Präsident Pedro Castillo (seit 2021)
Regierungschef:

Premierminister Aníbal Torres (seit 2022)

Freiheitsstatus:72/100
BIP pro Kopf:11.881 USD (kaufkraftbereinigt, 2020)
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