Erinnerungsorte in Südafrika

Ein Holzschemel mit Blechgeschirr erinnert an das frühere Hochsicherheitsgefängnis auf der Gefangeneninsel Robben Island. 1997 wurde dort ein Museum eröffnet. Aber auch der Freiheitspark in Pretoria und der Verfassungshügel in Johannesburg gemahnen an die Zeit der Apartheid. Eine Kommission des ANC hatte schon 1991 ein Gedenkstättenkonzept entwickelt, um in Südafrika eine "gemeinsame kulturelle Identität" zu fördern.

Gefangeneninsel Robben Island

Wie ein modernes Konzentrationslager aus Beton und schwarzem Gestein mutet das Hochsicherheitsgefängnis auf Robben Island an. Dreißig Jahre lang waren hier die wichtigsten Führer der schwarzen Opposition inhaftiert, darunter der spätere Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela. Heute ist das Gefängnis ein Museum, das in normalen Zeiten über 300 000 Menschen pro Jahr besuchen.

Robben Island liegt etwa zwölf Kilometer vor Kapstadt. Die Insel verdankt ihren Namen den Robben, die es hier früher gab. An den tückischen Felsen im Wasser zerschellten früher zahlreiche Schiffe. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurden hier hauptsächlich politische Gefangene festgehalten, denen die raue See eine Flucht praktisch unmöglich machte. Ab 1845 lebten hier aber auch zeitweise über 300 Leprakranke – zunächst freiwillig, später zwangsweise.

Seit 1961 nutzte die südafrikanische Regierung die Insel erneut, um politische Gegner zu isolieren. Dazu ließ sie eigens ein neues Hochsicherheitsgefängnis errichten. Darüber hinaus gab es noch einen weniger stark gesicherten Bau für gewöhnliche Kriminelle. In einem weiteren Gebäude verbrachte der Vorsitzende des Pan Africanist Congress (PAC), Robert Sobukwe, sechs Jahre in Einzelhaft.

Anfangs schliefen die Gefangenen auf dem Steinfußboden auf dünnen Strohmatten. Später standen ihnen auch Metallpritschen zur Verfügung. Sogar Fernstudiengänge durften sie belegen, allerdings keine Abschlüsse machen. Erst 1989 konnte Mandela, der nach 18 Jahren Haft auf der Insel nach Kapstadt verlegt worden war, an der Universität London einen Bachelor of Law erwerben. Ein Jahr später wurde er freigelassen und bald darauf zum Präsidenten des African National Congress (ANC) bestimmt.

Außer Mandela, der 1994 der erste frei gewählte Präsident des Landes wurde, übernahmen noch mehrere andere ehemalige Inselhäftlinge wichtige politische Ämter in Südafrika. Allein elf seiner ehemaligen Mitgefangenen berief Mandela in seine Regierung. Auch die späteren Präsidenten Kgalema Motlanthe und Jacob Zuma waren auf Robben Island in Haft.

1991 wurde das Hochsicherheitsgefängnis geschlossen, der Zellenbau für gewöhnliche Kriminelle folgte fünf Jahre später. Das umfangreiche Gefängnisarchiv befindet sich heute in der University of Western Cape.

Seit 1997 kann die Insel, die auch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, besichtigt werden. Die organisierten Touren starten per Boot im Hafen von Kapstadt und dauern etwa dreieinhalb Stunden. Schon von weitem sieht man den 1865 errichteten Leuchtturm auf dem Minto Hill. Außer das Gefängnis mit der Zelle Mandelas können die Besucher auch den Inselfriedhof, das Haus von Sobukwe sowie zwei Steinbrüche besichtigen, in denen die Gefangenen arbeiten mussten. Lange Zeit waren viele der Führer selbst ehemalige Gefangene.

Außer den Führungen bietet das Robben Island Museum (RIM) verschiedene Bildungsprogramme an, darunter Besuche von Schulklassen, Camps zu Menschenrechtsfragen und Seminare für Erwachsene. Im ehemaligen Zellenbau für Kriminelle wurde ein Lernzentrum mit Bibliothek eingerichtet. Das Museum verfügt über ein Jahresbudget von umgerechnet mehr als zwölf Millionen US-Dollar. Nach Korruptionsvorwürfen berief das Kulturministerium 2020 einen neuen Verwaltungsratsvorsitzenden. Im selben Jahr streikten die Mitarbeiter für mehr Lohn. Opferverbände warfen dem Museum zudem mangelnde Unterstützung für ehemalige Gefangene vor.

Auch in einigen anderen Haftorten gibt es inzwischen Erinnerungsstätten. Im ehemaligen Zentralgefängnis von Pretoria, in dem fast 4000 Hinrichtungen stattfanden, eröffnete Präsident Zuma 2011 ein Museum. Der Besuch ist zwar kostenlos, doch das Gefängnis ist weiterhin in Betrieb. Unter anderem kann man dort den restaurierten Galgen mit mehreren Schlingen sehen.

Im ehemaligen Fort von Johannesburg, in dem neben Mandela auch Mahatma Gandhi inhaftiert war, befindet sich ebenfalls ein Museum. Auf dem 80 Hektar großen Areal, auf dem auch das Verfassungsgericht residiert, finden unter anderem Zeitzeugenführungen durch das ehemalige Frauengefängnis statt. Der sogenannte Constitution Hill wird jedes Jahr von über 50 000 Menschen besucht und vom Staat mit umgerechnet 3,5 Millionen US-Dollar unterstützt.

Links

Website des Robben Island Museums (englisch)

Studie der Diplompädagogin Stephanie Schell-Faucon über Erinnerungsarbeit in Südafrika und das Robben Island Museum

Website des Constitution Hill Menschenrechtsareals

 

Nach der Diktatur. Instrumente der Aufarbeitung autoritärer Systeme im internationalen Vergleich

Ein Projekt am Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Universität Würzburg

Twitter: @afterdictatorship
Instagram: After the dictatorship

Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Apartheid-Museum Johannesburg

„Taxi Rank for Whites“ (Taxi-Schlange für Weiße) steht auf dem weißen Schild im Apartheid-Museum in Johannesburg. Es ist eines von vielen Überbleibseln der Apartheid-Politik, die in dem Museum zu sehen sind. Die Ausstellung widmet sich der jahrzehntelangen Rassentrennung in Südafrika. Das privat finanzierte Museum erinnert dabei nicht nur daran, dass Weiße am Horn von Afrika einst zahllose Vorrechte genossen. Es wirbt auch für die Werte der ersten demokratischen Verfassung des Landes.

Dass Menschen unterschiedlicher Herkunft in einem Museum verschiedene Eingänge benutzen müssen, dürfte weltweit eine Ausnahme sein. Im Apartheid-Museum in Johannesburg ist dies jedoch die erste Erfahrung, die die Besucher machen. Um den Alltag in der Zeit der Rassentrennung zu veranschaulichen, werden sie willkürlich als Weiße oder Nicht-Weiße eingestuft. Anschließend dürfen sie das Museum nur durch das Tor betreten, das für ihre Rasse vorgesehen ist.

Das 2001 gegründete Museum erzählt die jüngere Geschichte Südafrikas – von den Goldsuchern, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Johannesburg strömten, über die Entstehung des südafrikanischen Staates im Jahr 1910 bis zur 1996 in Kraft getretenen neuen Verfassung. Einen Schwerpunkt bildet dabei die 1948 eingeführte Apartheid-Politik und deren Überwindung in den 1990er Jahren.

Bereits im ersten Innenhof stehen riesige Betonsäulen, auf denen zentrale Werte der Verfassung prangen: Demokratie, Versöhnung, Vielfalt, Verantwortung, Respekt und Freiheit. In der eigentlichen Ausstellungshalle sind dann zahllose Objekte, Plakate und Filme zu sehen, die über den Alltag der Rassentrennung Auskunft geben. Seit 1950 wurden die Bewohner Südafrikas in die Kategorien "einheimisch", "farbig" und "weiß" eingestuft, später kam noch "asiatisch" dazu. Diese Klassifizierung, die im Ausweis vermerkt wurde, bildete die Grundlage von insgesamt 148 Apartheidgesetzen. Der Kampf gegen diese rassische Diskriminierung wurde mit zunehmender Gewalt ausgetragen und endete erst mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens und der Aushandlung einer neuen politischen Ordnung Anfang der 1990er Jahre.

Die Ausstellung will diese Entwicklung nicht neutral darstellen. Sie ergreift vielmehr Partei und will die Besucher dazu bewegen, es ebenfalls zu tun. „Nach Jahrhunderten des Kolonialismus und mehr als 40 Jahren des Lebens unter der Apartheid brachte die Freiheit 1994 den Frieden in unser Land,“ heißt es auf der Website des Museums. „Die Dauerausstellung ist eine Zeitreise, die die Schritte des Landes aus diesen dunklen Tagen der Unfreiheit bis hin zu einem Ort der Heilung nachzeichnet, der auf den Prinzipien einer Demokratie beruht.“ Im letzten Teil der Ausstellung sollen die Besucher deshalb einen Stein auf einen wachsenden Haufen legen und sich symbolisch verpflichten, auch selbst gegen Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung zu kämpfen.

Das Museum wird durch eine gemeinnützige Gesellschaft betrieben. Bei der Ausschreibung einer Casino-Lizenz hatte sich 1995 ein Konsortium zu seiner Errichtung verpflichtet. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Vergnügungspark Gold Reef City Casino, arbeitet aber unabhängig.